Als Schnorchler und Taucher sind die meisten von uns auf den Raum in unmittelbarer Nähe der Küste beschränkt. Zum Glück gibt es außerordentliche Aquarien, die uns dennoch einen Einblick ins Pelagial bieten, der Hochsee, also den Bereich des Ozeans außerhalb der Schelfmeere. Dort sind nur die obersten 200 m ausreichend von Sonnenlicht durchflutet, das sogenannte Epipelagial ([Bergbauer2017]).

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Mola mola (Mondfisch) im Oceanário de Lisboa

In einem dieser ganz besonderen Aquarien, dem Oceanário de Lisboa (und nur dort), konnte ich einen Fisch beobachten, der im (Epi-)Pelagial lebt, den Mondfisch Mola mola. Dieser Fisch ist wahrhaft eindrucksvoll anzusehen, schon allein von seinen Abmessungen! Er kann mehr als drei Meter lang werden und über 2 Tonnen Masse besitzen. Dementsprechend riesig war das Becken, in dem er schwamm und das ihm und einer großen Zahl anderer Fische viel Raum für Bewegung bot. Es handelt sich um den größten Knochenfisch der Welt, übertroffen nur von Säugetieren wie dem Pottwal, oder von Haien wie dem Riesenhai Cetorhinus maximus, dem wirklich größten Fisch der Welt ([Weinberg2016]), der zu den Chondrichthyes, also den Knorpelfischen gehört.

Mola mola gehört zusammen mit insgesamt drei Gattungen mit je einer Art der Familie der Molidae an, diese wiederum der Ordnung der Tetraodontiformes (Kugelfischverwandten). Die Ordnung, und unter ihnen die Molidae besonders, ist die am weitesten von anderen Fischenformen abgeleitetete, stellt also die höchstentwickelte Form der Teleostei, der Knochenfische, dar. ([Diversity2009]). Auf den Kugelfisch selbst werde ich weiter unten noch einmal zurück kommen.

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Mola mola Oceanário de Lisboa

Wenn man den Fisch von der Seite sieht, ist einem schnell klar, dass bei ihm die Schwanzflosse nicht für den Vortrieb sorgen kann. So etwas besitzt er im Grunde gar nicht, nur eine „Pseudocaudale“, die hauptsächlich aus Stacheln der Dorsalen und der Analen besteht ([Diversity2009]). Beim Mondfisch besorgen die Dorsale und die Anale den Vortrieb. Mola mola ist auch in seiner Ernährungsweise außergewöhnlich, denn er frisst als einzige Tierart Quallen. Außerdem ernährt er sich laut [Weinberg2016] noch von Kalmaren, kleinen Fischen und diversen Larven. Laut [Krapp-Ku] gehören auch Tiefseefische und Flügelschnecken sowie Krebstiere auf seinen Speiseplan. Wie auf einer Tafel im Oceanário zu lesen war, liegt der Fisch manchmal auf der Seite an der Wasseroberfläche. So kann er einerseits seine Körpertemperatur besser regulieren, und erlaubt andererseits Vögeln, Parasiten von seiner Haut zu picken. Wie dort weiter zu erfahren war, sind die Fische infolge ihres Aufenthalt in der Nähe der Wasseroberfläche durch Fischerboote gefährdet, obwohl diese nicht auf sie Jagd machen. Sie sind dann „bycatch“ (Mitfang) und dadurch dennoch bedroht. Manchmal ragt die sehr hohe Caudale wie bei einem Hai aus dem Wasser ([Krapp-Ku]). Obwohl man sie häufig an der Oberfläche antrifft, können sie durchaus auch mehrere hundert Meter tief absteigen ([Weinberg2016]). Der Fisch ist weit verbreitet, und kommt in allen tropischen und temperierten Meeren einschließlich des Mittelmeers vor. Es heißt, dass die Eiablage in der Sargassosee östlich der Karibik stattfindet.

Das folgende ungefähr zweiminütige englischsprachige youtube-Video von der Darwin 200 UK Expedition 2020 vermittelt weitere Eindrücke von diesen hochinteressanten Tieren. Hinweis: „Mondfisch“ heißt auf englisch „(ocean) sunfish“.

Wenn Sie mehr von der Darwin 200 UK Voyage 2020 sehen wollen, finden Sie hier die komplette Playlist.

Und nun noch, wie angekündigt, zum Kugelfisch selbst, der Gattung Tetraodon. Der Name der Gattung bezieht sich auf die vier Zähne des äußeren Kiefers, welcher dieser Gattung und damit der ganzen Ordnung ihren Namen verliehen hat, genauso wie der Unterordnung Tetraodontoidei und der größten Familie innerhalb dieser Unterordnung, den Tetraodontidae (Kugelfische) ([Krapp-Ku]). Wie [Diversity2009] hervorhebt, bezieht sich der Name auf die Bezahnung, obwohl diese Fische ironischerweise gar keine echten Zähne besitzen. Vielmehr besitzt der Kiefer selbst eine Schneidekante, die zu separaten zahnartigen Gebilden differenziert ist, oder zu einem papageienartigen Schnabel verschmolzen ist. Letzteres trifft auf die Kugelfische wie auch auf die Molidae zu.

Der papageienartige Schnabel des Kugelfischs eignen sich zum Aufbeißen von harter Nahrung, und zwar sowohl von Krebsen, Schnecken und Muscheln, als auch von Korallenstöcken, ähnlich wie bei den Papageienfischen. Diese Beute ist nicht so beweglich und kann ihnen nicht so leicht entkommen. Eine weitere Form der Nahrungserwerbs, die diese so wie auch die verwandten Drückerfische besitzen, besteht darin, dass sie einen scharfen Wasserstrahl gegen den Boden richten und so dort verborgene Kleintiere freilegen ([Krapp-Ku]). Die meisten Kugelfische leben im Flachwasser, nur an den tropischen Meeresküsten, vorwiegend auf Korallenriffen. Der deutsche Trivialname Kugelfisch kommt daher, dass sich die Tiere, wenn sie belästigt werden, kugelförmig aufblasen und auf diese Weise sehr vergrößern. Dabei treten auch die Stacheln aus den Poren hervor und richten sich auf. Dies ist – unter anderem – ein wirksamer Verteidigungsmechanismus ([Krapp-Ku]).

Geradezu berühmt sind die Kugelfische für ihr Gift, das die erwachsenen Tiere besitzen, und zwar ironischerweise im Zusammenhang mit dem japanischen Feinschmeckergericht 河豚 (Fugu), wie meine Freunde aus meinem ehemaligen Japanischkurs gut wissen. Und zwar wird das Gift auch durch das Kochen nicht zerstört. In Japan dürfen nur speziell dafür ausgebildete Köche dieses Gericht zubereiten. Laut [Krapp-Ku] führt der Genuß von nicht fachgerecht zubereitetem Kugelfisch in 6 % der Fälle zum Tod, und zwar innerhalb von wenigen Stunden. Laut dieser Quelle weiß man übrigens aus archäologischen Funden, dass bereits vor 1500 Jahren solche Fische verspeist wurden.

Fugu in Tank
トラフグ (Tigerkugelfisch) Takifugu rubripes in einem Tank in Nagoya

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Ich finde, dass man dem Kugelfisch im Photo seine Verwandtschaft zum Mondfisch durchaus ansieht.

Unter Biologen ist der Kugelfisch Takifugu rubripes noch aus einem anderen Grund bekannt: Er besitzt das kleinste Genom aller Vertebraten, und sein Genom war daher auch eines der ersten Wirbeltier-Genome, das sequenziert wurde ([FishStories]).

Soweit nicht anders angegeben, sind die Bilder wieder meine eigenen.